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Wie Zahnschmerzen entstehen

Die Zähne sind gut geschützt durch Zahnschmelz und Zahnfleisch. Weh tut es erst, wenn diese Barrieren Lücken aufweisen und Reize oder Krankheitskeime vordringen können
von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 16.09.2014

So ist ein Zahn aufgebaut: Unter dem sichtbaren Zahnschmelz verbergen sich mehrere Schichten. Klicken Sie auf die Lupe, um die ganze Infografik zu sehen

W&B/Szczesny, Apotheken Umschau 01/09

In der Mundhöhle reihen sich auf dem Ober- und Unterkiefer insgesamt 28 Zähne beziehungsweise 32, wenn ein Erwachsener alle vier Weisheitszähne besitzt. Idealerweise glänzen die Zahnkronen perlenweiß und stecken mit dem Zahnhals in einem rosaroten, gut durchbluteten Zahnfleisch. Die Zahnwurzel haftet sicher im Kieferknochen.

Schutzschichten bewahren den Zahn vor Schmerzen

Den ganzen Zahn mit Krone und Wurzel formt das Zahnbein, medizinisch Dentin genannt. Eine harte, mineralhaltige Schicht, der Zahnschmelz, überzieht den oberen, freiliegenden Anteil. Der feste Helm ist notwendig, da das Dentin selbst weicher ist und die Angriffe von Säuren und Keimen schlechter abwehren kann als der Zahnschmelz. Zudem verlaufen hier schon feinste Nervenfasern, die Schmerzen weiterleiten. In den Kieferknochen fügt sich das Zahnbein wie eine Wurzel ein. Es ist auch dort von Schutzschichten umgeben: Zahnzement und Zahnfleisch kleiden es gut ein, ein Fasergeflecht hält es in der Knochenvertiefung. Das Ganze bildet den Zahnhalteapparat, der sich bei einer Parodontitis (siehe unten) entzündet.

Im Dentin befindet sich ein Hohlraum mit dem bindegewebshaltigen Zahnmark, der Pulpa. Sie ist von Nerven und Gefäßen durchzogen, die über den offenen Wurzelkanal in den Kieferknochen münden. Erkrankt das Zahnmark zum Beispiel durch vordringende Karies, sind die Schmerzen beträchtlich.

Zahllose Keime tummeln sich in der Mundhöhle. Durch Zahnschmelz und Zahnfleisch sind die Zähne perfekt gegen Angriffe von Bakterien und von schädlichen Säuren abgeschirmt. Weh tut ein Zahn erst, wenn sich Lücken und Schwachstellen in den äußeren Schutzschichten auftun. Dann können die Erreger weiter vordringen, Zahnbein und Zahnmark schädigen und den Zahn schließlich ganz zerstören.

Eine schützende Funktion übernimmt zudem der reinigende Speichel. Er entsorgt Ummengen von Bakterien und anderen Erregern und spült Speisereste mit jedem Schluckvorgang weg. Außerdem enthält er Abwehrstoffe, die Entzündungen und Verletzungen im Mund schneller abheilen lassen. Wird zu wenig Speichel produziert, sind auch die Zähne angreifbarer.

Was greift die Schutzschichten des Zahns an?

Einmal sind es Verletzungen, die dem Zahnschmelz Risse und Brüche, dem Zahnfleisch Wunden zufügen. Durch scharfe, spitze Gegenstände können winzige Schadstellen entstehen, ebenso durch chemische Reizstoffe. Falsche Zahnputztechniken, mit zu viel Druck etwa, führen dazu, dass der Putzende – oft mit besten Absichten – Zahnschmelz abreibt oder Zahnfleisch zurückschiebt.

Wird dagegen zu wenig gereinigt, setzen sich auf den Zähnen Beläge und Zahnstein fest. Bakterien sammeln sich hier zuhauf und bilden zum Beispiel in Verbindung mit Zuckerresten Säuren, die sich durch den Zahnschmelz durchfressen und für Karies verantwortlich sind. Auch eine Parodontitis droht bei dauerhaften Belägen. Das Zahnfleisch entzündet sich, schwillt an, wird rot, blutet und geht immer mehr zurück. Die Zahnhälse liegen frei. Es entwickeln sich Zahnfleischtaschen, in denen sich die Keime vermehren. Die Entzündung greift unbehandelt sogar den Knochen an, der Zahn lockert sich und geht schlimmstenfalls ganz verloren.

Das Immunsystem spielt mit, wenn es um die Zahngesundheit geht

Manche Menschen haben ein sehr robustes Zahnfleisch und einen widerstandsfähigen Schmelz. Ihnen scheinen die zahlreichen Mundkeime wenig anzuhaben. Andere putzen stets gründlich, sind aber trotzdem anfällig für Zahnfleischentzündungen und Parodontitis. Ihre körpereigene Abwehr ist dann offenbar nicht so erfolgreich im Kampf gegen die Krankheitserreger. Erbliche Anlagen sind zu einem Teil für ein verändert reagierendes Immunsystem verantwortlich, aber daneben auch bestimmte Krankheiten wie Diabetes oder Autoimmunerkrankungen, die ihrerseits wieder genetisch bedingt sind. Nachteilig wirken sich Risikofaktoren wie Rauchen, Stress, einseitige Ernährung, Bewegungsmangel aus.

Doch unabhängig von der individuellen Veranlagung ist eine regelmäßige Mund- und Zahnhygiene der wirksamste Schutz gegen Zahnerkrankungen und damit gegen Zahnschmerzen (siehe auch Kapitel "Therapie und Selbsthilfe"). Auf ungeputzten Zähnen vermehren sich die schädlichen Bakterien milliardenfach. Das bleibt langfristig nicht ohne Folgen.

Wer gesunde, schmerzfreie Zähne haben will, kommt trotz täglicher Putzaktionen nicht um regelmäßige Zahnarztbesuche herum – zur jährlichen Vorsorguntersuchung und Zahnsteinentfernung. Bei bestimmten Zahnproblemen, etwa bei einem erhöhten Risiko für Parodontitis, empfehlen Zahnärzte manchmal zudem eine professionelle Reinigung ein- bis zweimal im Jahr. Viele Krankenkassen bieten hier Zuschüsse an.

Zahnprobleme beginnen vielfach ohne sicht- oder spürbare Beschwerden. Frühzeitig entdeckt lassen sie sich meist ohne große Eingriffe erfolgreich behandeln.



Bildnachweis: W&B/Szczesny, Apotheken Umschau 01/09
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