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Tipps bei Zahnfleischbluten

Ein roter Abdruck auf dem Apfel, verfärbte Spucke nach dem Zähneputzen? Warum Sie Zahnfleischbluten nicht ignorieren sollten und was dagegen hilft
von Bettina Dobe, aktualisiert am 19.04.2016

Vorsicht: Harte Lebensmittel können das Zahnfleisch verletzen

Thinkstock/istock

Harte Brotkanten, energisches Zähneputzen oder Fädeln mit Zahnseide können es auslösen: Zahnfleischbluten. Akut gefährlich ist es in der Regel nicht. Trotzdem sollte man Zahnfleischbluten ernst nehmen.

Warum das Zahnfleisch blutet

Im Mund leben Hunderte verschiedener Bakterienarten. Gerät diese Mundflora aus dem Gleichgewicht, kann es unter anderem zu einer Entzündung des Zahnfleisches, der sogenannten Gingivitis, kommen. "Diese Entzündung ist verantwortlich für das Zahnfleischbluten", sagt Professor Peter Eickholz, Parodontologe der Universität Frankfurt und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie. Betroffene leiden unter gerötetem und schmerzendem Zahnfleisch, das schon bei leichtem Druck blutet und Mundgeruch hervorrufen kann.

Wer die Zähne selten oder nicht gründlich putzt, bei dem lagert sich Plaque an, ein Gemisch aus Bakterien, Speichel und Speiseresten. Nicht nur auf den Zähnen, sondern auch in einem dünnen Spalt am Übergang von Zahnfleisch und Zahn. Das Zahnfleisch kann sich entzünden und blutet schon bei geringem Druck, etwa beim Zähneputzen.

Was das Bluten begünstigt

Bestimmte Faktoren können das Bluten verstärken, lösen es aber nicht aus. "Füllungen, Prothesen und Spangen begünstigen die Ablagerung von Plaque und somit die Zahnfleischentzündung", erklärt Eickholz. Rauchen, Stress, Veranlagung und Diabetes zählen ebenfalls zu den Risikofaktoren. Gleiches gilt für manche Medikamente, zum Beispiel Gerinnungshemmer: "Einige Medikamente führen dazu, dass das Bluten verstärkt wird", sagt Eickholz.

Alles, was das Immunsystem schwächt, kann unsere Mundflora beeinflussen und Zahnfleischbluten ebenfalls fördern. Schwangere haben ein erhöhtes Risiko, ebenso Jugendliche bei hormonellen Schwankungen. Allerdings nur, wenn bereits eine leichte Zahnfleischentzündung vorhanden ist, sagt Eickholz: "Wenn im Mund alles sauber wäre, würde das Zahnfleisch auch nicht bluten."

Zahnfleischbluten ernst nehmen

Die Entzündung im Mund sollte ernst genommen werden. Denn sie kann in eine Parodontitis übergehen, eine Entzündung des gesamten Zahnhalteapparates. Mögliche Folge ist nicht nur ein Zahnverlust. "Keime können ins Blut gelangen und im schlimmsten Fall etwa die Herzklappe angreifen", warnt Professor Thomas Kocher, Parodontologe von der Universität Greifswald, vor weiteren Folgen der Parodontitis. Der Zahnarzt kann mittels des PSI-Tests (Parodontal Screening Index) feststellen, ob es sich um Parodontitis oder eine Zahnfleischentzündung handelt. Alle zwei Jahre bezahlen die Krankenkassen diesen Test zur Früherkennung.

Wer roten Zahnpastaschaum im Waschbecken bemerkt, putzt oft einige Tage lang die Zähne nicht, um das Zahnfleisch nicht noch weiter zu reizen. "Doch das ist genau falsch", warnt Kocher. "Man muss im Gegenteil sehr gründlich putzen, denn nur so kann die Entzündung bekämpft werden." Doch das ist gar nicht so einfach.

Richtig putzen

Viele Menschen reinigen ausgiebig die Glattflächen – dort setzen sich aber die wenigsten Bakterien ab. "Man sollte zuerst die Zahnzwischenräume reinigen, dann die Außenflächen an der Zunge und erst dann die Glattflächen", erklärt Kocher die beste Reihenfolge. Vor allem zwischen den Zähnen – interdental – ist Gründlichkeit angesagt: "Die Gingivitis beginnt immer in den Zahnzwischenräumen", sagt Kocher. Mit Interdentalbürstchen oder medizinischen Zahnhölzchen, die es zum Beispiel in Apotheken gibt, seien diese gut zu reinigen. Richtig angewendet, beseitigt Zahnseide Ablagerungen ebenfalls effektiv.

"Man darf nicht nach unten sägen, sondern sollte die Plaques auf beiden Zahninnenräumen gründlich entfernen", erklärt Kocher. Am besten lassen sich Patienten zur richtigen Putztechnik in ihrer Zahnarztpraxis beraten. Auch antibakterielle Mundwasser können helfen, die Erreger und somit die Zahnfleischentzündung einzudämmen. Manche Mundspüllösungen sind allerdings nur für den kurzfristigen Gebrauch gedacht. Nach einiger Zeit sollte das Zahnfleischbluten zurückgehen.

Wann zum Arzt?

Hält das Zahnfleischbluten trotz regelmäßigen Putzens an oder wird es stärker, sollte man dringend einen Zahnarzt aufsuchen, empfiehlt Kocher. Gleiches gilt, wenn das Zahnfleisch angeschwollen und stark gerötet ist oder sich sogenannte Zahnfleischtaschen gebildet haben. Dies können Anzeichen für eine Parodontitis sein. Bei erhöhtem Parodontitis-Risiko empfehlen viele Zahnärzte eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung. Allerdings müssen Patienten die Maßnahme üblicherweise selbst bezahlen. Deshalb sollten sie sich zu Vorteilen und möglichen Nachteilen beraten lassen.

Vorbeugen: Zähneputzen!

Um Zahnfleischbluten vorzubeugen, hilft vor allem eins: "Zähneputzen. Das ist das Beste, was man dagegen machen kann", sagt Eickholz. An sauberen Zähnen siedeln sich Bakterien nicht so leicht an. So hat die Zahnfleischentzündung keine Chance.



Bildnachweis: Thinkstock/istock

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