banner.gif
  • Apothekerin Kerstin Thierfelder e.Kfr.
  • Madlower Chaussee 4
  • 03051 Cottbus

Speicheldrüsenentzündung

Wenn die Speicheldrüsen schmerzen und angeschwollen sind, liegt meist eine Entzündung vor. Wie es dazu kommt und welche Behandlung hilft
von Dr. Karoline Stürmer, aktualisiert am 28.01.2015

Sind beispielsweise die Ohrspeicheldrüsen entzündet, kann es zu Schmerzen und einer Schwellung kommen

Fotolia/Jane Doe/2010

Die Aufgaben der Speicheldrüsen

Rund eineinhalb Liter Speichel produzieren die Speicheldrüsen täglich. Nicht nur, wenn uns der Speichel beim Essen im Mund zusammenläuft – auch zwischen den Mahlzeiten sind die Drüsen aktiv. Vor allem die paarigen Speicheldrüsen an den Ohren, unter der Zunge und am Unterkiefer produzieren zusammen den Großteil des Speichels. Den Rest übernehmen 700 bis 1000 kleine Speicheldrüsen an Lippen, Wangenschleimhaut und im Rachen.

Speichel hat vielfältige Funktionen: Er befeuchtet nicht nur die Mundhöhle, sondern beim Kauen auch die Nahrung und bereitet sie dabei für die Verdauung und den Schluckprozess vor. Speichel hat aber auch eine antibakterielle und wundheilungsfördernde Wirkung.

Eine verminderte Speichelproduktion gehört zu den Risikofaktoren einer Speicheldrüsenentzündung. Die Speicheldrüsenentzündung – auch Sialadenitis genannt – ist die häufigste Erkrankung der Speicheldrüsen.

"Von einer Entzündung sind meist die großen Speicheldrüsen betroffen, am häufigsten die Ohrspeicheldrüsen – lateinisch Glandula parotidea", sagt Professor Johannes Zenk, Leiter des Speicheldrüsenzentrums des Universitätsklinikums Erlangen.

Symptome: Woran erkennt man eine Speicheldrüsenentzündung?

Eine Entzündung der Speicheldrüsen macht sich durch eine Schwellung bemerkbar, die unter Druck und manchmal auch spontan schmerzt. In manchen Fällen ist die Haut rund um die betroffene Drüse gerötet und die Betroffenen leiden unter Fieber. Eine Speicheldrüsenentzündung kann ein- oder beidseitig auftreten.

Ursachen: Was kann die Speicheldrüsen entzünden?

Betroffen sind oft ältere Menschen, aber auch Patienten mit Vorerkrankungen und einem geschwächten Immunsystem. Die Entzündung entsteht durch Viren, Bakterien oder steril im Rahmen anderer Erkrankungen.

Am bekanntesten ist die akute Entzündung der Ohrspeicheldrüsen durch die Erreger der Kinderkrankheit Mumps. Die Entzündung betrifft meist beide Ohrspeicheldrüsen. Aber auch andere Viren, wie das Epstein-Barr-Virus, das Zytomegalie-Virus oder Atemwegsviren wie die Influenza- oder die Parainfluenza-Viren sind manchmal Auslöser.

"In einer HNO-Klinik oder Praxis sind Bakterien am häufigsten die Ursache für eine Speicheldrüsenentzündung", sagt Professor Zenk. Typische bakterielle Erreger sind Staphylokokken und Streptokokken. Die Keime steigen durch die Ausfuhrgänge der Drüsen in das Innere des Organs und das Immunsystem entfacht mit der Abwehrreaktion die Entzündung. Dies geschieht umso leichter, wenn die Speicheldrüsen wenig Speichel produzieren.

Dies ist etwa bei älteren gebrechlichen Menschen, die keinen Appetit mehr haben, der Fall. Aber auch bei Alkoholmissbrauch oder wenn aufgrund eines Speichelsteins, durch Einengungen, Narben oder durch Tumore der Abfluss des Speichels behindert ist. Denn in dem gestauten Sekret können sich Erreger gut vermehren.

Darüber hinaus kann eine mangelnde Mundhygiene, eine Mangelernährung oder eine entzündete Mundschleimhaut eine Entzündung fördern. Auch die Einnahme von Medikamenten – wie etwa Antidepressiva, Diuretika oder Antihistaminika – kann eine Speicheldrüsenentzündung begünstigen, weil weniger Speichel gebildet wird. Seltener sind Autoimmunerkrankungen oder Bestrahlungen im Rahmen einer Tumortherapie die Ursache für eine Speicheldrüsenentzündung.

Häufige Ursache: Speichelsteine

Oft entstehen Speicheldrüsenentzündungen im Zusammenhang mit Speichelsteinen. Aber nicht jeder Speichelstein führt zu einer Speicheldrüsenentzündung. Acht von zehn Speichelsteinen bilden sich in den Speicheldrüsen des Unterkiefers und nur zwei davon in den Ohrspeicheldrüsen, die am häufigsten von Entzündungen betroffen sind.

Speichelsteine bestehen vor allem aus Kalzium- und Magnesiumphosphat und können bis zu fünf Zentimeter groß werden. Sie entstehen, wenn sich die Zusammensetzung des Speichels wahrscheinlich während oder nach einer Entzündung verändert oder als Folge eines andauernden Sekretstaus bei verengten Drüsengängen. Speichelsteine können sich auch ohne Entzündungsanzeichen mit einer Schwellung der betroffenen Speicheldrüse bemerkbar machen und dabei ebenfalls mehr oder weniger schmerzen. Ist ein Speichelstein die Ursache für die Beschwerden, können die Schmerzen zunehmen, wenn sich die Speichelproduktion, etwa beim Kauen, verstärkt.

Wenn Schwellungen oder Schmerzen im Bereich der Speicheldrüsen nicht innerhalb weniger Tage wieder abklingen, wenn sie sehr stark sind oder von weiteren Symptomen begleitet, sollten Betroffene unbedingt einen Arzt aufsuchen. Ohne geeignete Therapie kann sich aus einer Speicheldrüsenentzündung beispielsweise ein Abszess entwickeln. Dann besteht die Gefahr einer lebensgefährlichen Blutvergiftung.

Diagnose: Wie stellt der Arzt fest, dass die Speicheldrüsen entzündet sind?

Mit Hilfe einer Blutuntersuchung kann der Arzt überprüfen, ob eine Entzündung vorliegt. Er tastet die Schwellung ab und nimmt unter Umständen einen Abstrich, um den Erreger der Entzündung im Labor bestimmen zu lassen. "Am wichtigsten ist die Ultraschalluntersuchung. Mit ihr lassen sich Speichelsteine, Abszesse und Tumore unterscheiden", sagt Experte Zenk.

In manchen Fällen kann eine Röntgendarstellung der Drüse mit Hilfe eines Kontrastmittels (Sialografie) hilfreich sein. Nur in Ausnahmefällen ist eine Computertomografie oder eine Magnetresonanztomografie notwendig.

Therapie: Wie wird eine Speicheldrüsenentzündung behandelt?

Die Behandlung ist abhängig von der zugrunde liegenden Ursache. Bei einem viralen Infekt empfiehlt der Arzt eventuell entzündungshemmende Medikamente und Schmerzmittel. Bei einem bakteriellen Infekt zusätzlich Antibiotika.

Grundsätzlich beschleunigt eine gründliche Mundhygiene die Heilung. Auch der Einsatz von sogenannten Speichellockern kann – in Maßen eingesetzt – helfen. Dazu zählen zum Beispiel zuckerfreie Bonbons oder Kaugummis, welche die Speichelbildung anregen.

Kleinere Steine, die ein Abflusshindernis darstellen, können manchmal durch eine spezielle Massage der Drüsen nach außen befördert werden. Größere Steine werden von außen per Stoßwellen (extrakorporale Stoßwellentherapie) zerkleinert. Eine andere moderne Methode ist die Entfernung mittels eines endoskopischen Eingriffes. Dabei können auch mögliche Engstellen aufgeweitet werden. "Nur wenn eine  Speicheldrüse immer wieder entzündet ist oder wenn Tumorverdacht besteht, muss die betroffene Speicheldrüse entfernt werden", sagt HNO-Arzt Zenk.

Unser Experte: Professor Dr. med. Johannes Zenk, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO), stellvertretender Klinikdirektor und Leiter der Speicheldrüsenambulanz an der Hals-Nasen-Ohrenklink, Kopf- und Halschirurgie des Universitätsklinikums Erlangen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich




Bildnachweis: Fotolia/Jane Doe/2010

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren  »

Zum Thema

Mädchen und Junge

Gesunde Ohren – damit Sie stets gut hören

Hörsturz, Tinnitus, Schwerhörigkeit oder Mittelohrentzündung: Welche Therapien es bei Hörproblemen gibt und wie unsere empfindlichen Ohren gesund bleiben »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages